Zoulfia Choniiazova und Jai Gonzales erhalten Helene-Hecht-Preis

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Beide haben viel für die Tanzszene in der Region geleistet und erhalten deshalb den in diesem Jahr im Bereich Zeitgenössischer Tanz ausgelobten Helene-Hecht-Preis für Künstlerinnen in der Metropolregion: Zoulfia Choniiazova aus Mannheim erhält den Preis in der Kategorie „Ausübende Künstlerin“ und die Choreografin Jai Gonzales aus Heidelberg wird für ihr tanzpädagogisches Engagement ausgezeichnet. Die hohe Qualität der eingereichten Bewerbungen hatte die dreiköpfige Fachjury, bestehend aus Esther Dreesen-Schaback, Aki Kato und Kevin O’Day, vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz wird am Freitag, den 21.März 2014 die Preise an die beiden Künstlerinnen übergeben.

Tanz auf höchstem Niveau
„Wir haben Glück, dass sie ihren Weg nach Mannheim gefunden hat. Sie ist eine wahre Künstlerin!“ Dieses Lob für die Preisträgerin Zoulfia Choniiazova kommt von Dominique Dumais, der stellvertretenden Ballettintendantin und Choreografin des Nationaltheaters in Mannheim. Die in Tadschikistan geborene Tänzerin nahm bereits mit vier Jahren Ballettunterricht und verließ mit neun Jahren ihr zuhause, um an der choreografischen Schule von Taschkent in Usbekistan zu studieren. Nach ihrer Ausbildung erhielt sie ihr erstes Engagement am Moskauer Ensemble. Seit 1999 tanzt Zoulfia Choniiazava am Mannheimer Nationaltheater. Die Künstlerin beeindruckte die Jury nicht nur durch ihre außergewöhnliche Athletik und Ausdruckskraft, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass die 39-Jährige bereits sehr lange auf diesem hohen Niveau tanzt. Und die zweifache Mutter hat noch etwas geschafft, was nicht vielen Tänzerinnen möglich ist: Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Als Balletttänzerin, so sagte sie einmal in einem Interview, brauche man neben Talent vor allem Disziplin, Durchhaltevermögen und Selbstbeherrschung. Ballett sei ihr Leben und alle Strapazen lohnten sich, denn sie liebe die Bühne, das Theater, die Bewegung und bei jeder Aufführung habe sie aufs Neue Schmetterlinge im Bauch.
Engagement für die Region
Nach Stationen in Peru, Paraguay und Schweden kam die Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin Maria Yolanda „Jai“ Gonzales Cavero Anfang der 80er Jahre nach Heidelberg. Dort gründete sie zunächst das Afro-Ballett-Ensemble und ab 1988 das UnterwegsTheater, das sie noch heute gemeinsam mit dem Tänzer Bernhard Fauser leitet.
Gemeinsam haben Jai Gonzales und Bernhard Fauser sehr viel für die Tanzszene in der Region geleistet und sie im In- und Ausland bekannt gemacht. Neben den eigenen Produktionen haben sie zahlreiche Festivals organisiert, darunter auch die ab 21. Februar 2014 erstmals veranstaltete Tanzbiennale Heidelberg. Was die Jury darüber hinaus in besonderer Weise beeindruckte, war die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Jai Gonzales neben ihren vielen Aktivitäten bereits seit den 90er Jahren durchführt. So entstanden Musicals mit Jugendlichen der regionalen Hip-Hop-Szene, Projekte mit schwer erziehbaren Kindern ebenso wie Projekte mit Straßenkindern in Nairobi.
Der Mannheimer FrauenKulturRat (FKR) hat 2014 bereits zum dritten Mal den Helene Hecht-Preis für Künstlerinnen der Metropolregion Rhein-Neckar ausgelobt. Bewerben konnten sich Künstlerinnen in der Kategorie „Zeitgenössischer Tanz“. Der nach der Mannheimer Mäzenin Helene Hecht benannte Preis ist mit insgesamt 3.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre in wechselnden Sparten vergeben. „Gefördert wird der Helene-Hecht-Preis 2014 von der Naphtali-Epstein-Fördergesellschaft, der VR Bank Rhein-Neckar und der Heinrich-Vetter-Stiftung, denen unser besonderer Dank für ihre finanzielle Unterstützung gilt,“ so Claudia Möller, kommissarische Leiterin des Büros der Frauenbeauftragten und Geschäftsführerin des FrauenKulturRates.
Hintergrundinformation:
Der Helene-Hecht-Preis ist nach der Mannheimer Mäzenin Helene Hecht (1854 – 1940) benannt. Als außerordentlich gebildete und kulturell vielseitig engagierte Frau führte sie neben Berta Hirsch den größten Salon in Mannheim. In ihrem Haus ermöglichte sie die Begegnung und den Austausch zwischen Kulturschaffenden unterschiedlicher Gattungen. Johannes Brahms war häufiger Gast im Haus von Helene Hecht, Lenbach porträtierte sie und Werke von Feuerbach gehörten zur Ausstattung des Hauses.
Helene Hecht starb 86-jährig auf der Deportations-Bahnfahrt der badischen und pfälzischen Juden in das Lager Gurs in Südfrankreich. Ihr tragisches Ende zeigt, dass auch eine außergewöhnliche Lebensleistung nicht mehr anerkannt wird, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen ändern. Der FKR will durch die Benennung des Preises nach Helene Hecht an diese außergewöhnliche Frau erinnern.
Der FrauenKulturRat steht für die Stärkung der Chancengleichheit im Mannheimer Kulturleben. Dem Gremium gehören sechs Vertreterinnen aus Kultur, Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft an.